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Herz statt Kopf – Predigtminiatur zu Ostern

Foto: Wikipedia/Huhu Uet

„Nun aber ist Christus auferweckt von Toten und so werden auch wir alle in Christus lebendig gemacht werden“, sagte der Pfarrer, ehe der Sarg langsam und holprig ins Grab zur Erde gelassen wurde. Marie kann mit den Worten, die da gesagt wurden, nur wenig anfangen. Obwohl Marie wohl nicht zu den engsten Angehörigen der Verstorbenen gehört, merkt sie, dass sie die Situation nicht kalt lässt. Weniger, weil die große Trauer sie überkommt. Ja, sie kannte die Verstorbene schon ihr ganzes Leben. Aber sie war eine dieser Verwandten, die man halt einmal im Jahr sieht und mit der man trotzdem oder gerade deswegen kaum ein Wort miteinander wechselt. Zu groß der Altersunterschied, zu verschieden die Milieus, zu unterschiedlich die Sicht auf die Welt.

Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.
Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.
Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.
Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird;
danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt.
Denn er muss herrschen, bis Gott »alle Feinde unter seine Füße gelegt hat« (Psalm 110,1).
Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.
Denn »alles hat er unter seine Füße getan« (Psalm 8,7). Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat.
Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.

1. Korinther 15

Nein, was sie beschäftigt sind Gedanken wie: „Eines Tages liege ich auch in so einer Kiste“ und „eines Tages stehen da vielleicht auch Menschen, die nur da sind, weil ihre Eltern darauf bestanden haben“ und „was bleibt von mir, wenn ich einmal tot bin“ und „was wird aus mir, wenn ich einmal tot bin“? Sonst gelingt es ihr ja recht gut, diese Fragen zu verdrängen. „Mit 28 muss man sich damit auch wirklich nicht auseinandersetzen, da bleibt noch genug Zeit!“

Der Pfarrer hat sich viel Mühe gegeben in seiner Predigt, findet Marie. Er hat sich den Mund fusselig geredet. Und sie erstaunt. „Derart überzeugt, von dem, was er da erzählt, Respekt. Dabei ist er kaum älter als ich!“ Aber auf ihre Fragen bekam sie keine Antwort. Überzeugt hat er sie nicht. Dabei hätte sie sich so gerne überzeugen lassen. Mit offenen Ohren lauschte sie den Worten des Geistlichen und dem Text aus der Bibel „Hoffen wir allein in diesem Leben…“.

Aber umso mehr Paulus in seinem Brief versucht, Auferstehung zu erklären, umso weniger verstand Marie davon. Und die Ausführungen des Pfarrers machten es nicht besser. Als ein Feuerwerk an Floskeln empfand sie die Worte, die da auf sie niederprasselten. Und mit den Bildern, die in ihrem Kopf entstanden, konnte Marie überhaupt nichts anfangen.

Das änderte sich auch bis zum Schlusssegen des Pfarrers nicht. Und dann stand Marie am Grab, warf mit dem Schaufelchen Erde auf den Sarg und entdeckte neben dem ausgehobenen Schacht ein kleines Schneeglöckchen, das sich durch den Schnee an die Oberfläche gekämpft hat. Dieses kleine Pflänzchen, dieser Anblick, berührte sie ungemein. Und ihr fiel ein Spruch ein, der in der Kirche ihres Heimatdorfes zu lesen ist: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Und was der Kopf nicht verstehen wollte, begann das Herz langsam zu begreifen…

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Von Stefan Janits

Evangelischer Theologe und Journalist. Ich schreibe hauptsächlich für evangelische Medien in Österreich über die Themen Religion und Gesellschaft.

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